Historisches Gewächshaus des Botanischen Gartens / KFU Graz

Die historische Glashausanlage wurde 1889 von der Wiener k. k. Eisenkonstruktionswerkstätte Ignaz Gridl errichtet, die in der gesamten österreichisch-ungarischen Monarchie tätig war. Das Unternehmen vertrieb seine Eisen- und Stahlkonstruktionen in Skelettbauweise katalogbasiert als Serienprodukte. Heute gilt das Grazer Glashaus als letztes erhaltenes Beispiel universitärer Glashausarchitektur des 19. Jahrhunderts.
In seiner ursprünglichen Konzeption bestand der Gewächshauskomplex aus fünf Teilhäusern. Den Mittelpunkt bildete das Palmen- bzw. Tropenhaus als annähernd quadratischer Mittelbau mit Zeltdach. Daran schlossen sich zu beiden Seiten symmetrisch jeweils zwei kleinere Gewächshäuser an: westseitig ein großes und ein kleines Warmhaus sowie ostseitig ein großes und ein kleines Kalthaus.
Im Unterschied zu den häufig repräsentativ gestalteten Gewächshäusern europäischer Städte wurde das Glashaus des Botanischen Gartens als funktionaler Ingenieursbau konzipiert, bei dem die Forschung im Vordergrund stand. Die Anlage wurde 2008 unter Denkmalschutz gestellt. Ab 1982 entstanden in unmittelbarer Nähe neue Schaugewächshäuser, wodurch das historische Glashaus an Bedeutung verlor und zeitweise vom Abriss bedroht war. Nach Jahren des Leerstands, in denen es zunehmend verfiel, begann 2020 in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt die Sanierung.

Die grundlegende Idee, die bauliche Struktur sowie die Nutzung des Gebäudes blieben dabei erhalten. In Zusammenarbeit mit der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) als Eigentümerin und der Karl-Franzens-Universität Graz (KFU) als Nutzerin konnte ein Restaurierungskonzept entwickelt und der langfristige Erhalt des denkmalgeschützten Objekts gesichert werden.
Der neu gestaltete Eingangsbereich wurde bewusst modern und barrierefrei ausgeführt. Im Inneren bildet der zentrale Kubus – das Palmenhaus – den architektonischen Schwerpunkt und dient heute als universitäre Begegnungszone sowie als multifunktionale Veranstaltungsstätte. Der östlich anschließende Trakt wird als Seminarraum genutzt, während die übrigen Glashaustrakte weiterhin ihrer ursprünglichen Funktion vorbehalten bleiben.
Im Zuge der Sanierung wurde das Gewächshaus vom Fundament bis zur charakteristischen Stahlkonstruktion denkmalgerecht instand gesetzt. Die technische Infrastruktur, insbesondere die Heizungs- und Belüftungssysteme, wurde auf den neuesten Stand gebracht. Die Verglasung wurde vollständig erneuert und durch UV-durchlässige Verbundsicherheitsglasscheiben ersetzt. Ergänzend dazu wurden innen- und außenliegende Sonnenschutzsysteme installiert. Auch Brandschutz, Beleuchtung und Erschließung wurden umfassend modernisiert und an heutige Anforderungen angepasst.